Bio-Babynahrungshersteller Töpfer restrukturiert sich in Eigenverwaltung

Dr. David Blum, LL.M. (Aberdeen), Prof. Dr. Martin Hörmann, LL.M. (M&A)

Pressemeldungen, Lebensmittel, Eigenverwaltung, Sachwaltung

24. April 2024

  • PLUTA-Sanierungsteam unterstützt Geschäftsführung
  • Prof. Dr. Martin Hörmann als vorläufiger Sachwalter bestellt
  • Geschäftsbetrieb wird vollumfänglich fortgeführt
  • Gehälter der rund 170 Mitarbeiter gesichert

Kempten, 24. April 2024. Die Töpfer GmbH aus Dietmannsried bei Kempten hat einen Antrag auf ein Sanierungsverfahren in Eigenverwaltung gestellt. Das Amtsgericht Kempten ordnete daraufhin heute das vorläufige Verfahren an.

Ein Sanierungsteam von der PLUTA Rechtsanwalts GmbH bestehend aus Dr. Maximilian Pluta, Ludwig Stern und Florian Zistler unterstützt den Hersteller von Bio-Babynahrung. Zusammen mit den beiden Geschäftsführern Susanna Gabler und Ulf Silbernagel werden sie das Unternehmen in den kommenden Monaten durch das Verfahren führen und den Sanierungsprozess umsetzen. Das Gericht bestellte Rechtsanwalt Prof. Dr. Martin Hörmann von Anchor zum vorläufigen Sachwalter, der das Verfahren im Interesse der Gläubiger begleitet.

„Unser Geschäftsbetrieb läuft fort. Wir haben bereits erste Gespräche mit unseren Kunden und Geschäftspartnern geführt, die die Betriebsfortführung unterstützen. Wir werden in den kommenden Monaten ein Sanierungskonzept erarbeiten, um unser Unternehmen zukunftsfähig aufzustellen“, sagt Geschäftsführerin Susanna Gabler. Die Verantwortlichen informierten die rund 170 Beschäftigen bereits über den aktuellen Stand. Deren Gehälter sind über das Insolvenzgeld für drei Monate gesichert.

Die Töpfer GmbH ist ein führender Produzent von Babynahrung in Bio-Qualität. Zu den angebotenen Produkten zählen Babymilchnahrung und Babybreie. Zudem stellt das Unternehmen Naturkosmetikprodukte für Mütter und Babys her. Das Unternehmen produziert alle Produkte am Standort in Dietmannsried im Allgäu.

Herausforderungen meistern

Grund für die Antragstellung sind enorme Kostensteigerungen sowie Umsatzrückgänge des Unternehmens, das einen Großteil des Umsatzes im Ausland erzielt. Gleichzeitig belasten die steigenden Kosten für Energie und Personal das Unternehmen. Die Kostenstrukturen müssen daher an das Umsatzniveau angepasst werden.

Der Markt ist geprägt von großen Anbietern und der derzeit vorhandenen Produktionsüberkapazität.

Zudem beeinträchtigen externe Faktoren wie die Nachwehen der Corona-Pandemie und der Russland-Ukraine-Krieg das Geschäft. Durch die Corona-Krise ist der Markt in China eingebrochen und hat sich seither kaum erholt. Trotz der Einleitung von gegensteuernden Maßnahmen verschlechterte sich die Ergebnissituation des Unternehmens, sodass nun die Eigenverwaltung beantragt wurde.

„Der Betrieb verfügt über großes Know-how und eine moderne Produktion. Gemeinsam werden wir in den kommenden Monaten das Unternehmen sanieren, um dem Betrieb eine Zukunftsperspektive zu ermöglichen“, erklärt der Generalhandlungsbevollmächtigte Ludwig Stern. Töpfer strebt eine Neuaufstellung im Rahmen einer Investorenlösung an. Daher soll zeitnah die Suche nach einem finanzstarken Partner beginnen.

Die Eigenverwaltung ist ein gerichtliches Sanierungsverfahren zum Erhalt von Unternehmen. Das Unternehmen darf unter Aufsicht eines Sachwalters weiter arbeiten und – unterstützt durch erfahrene Sanierungsexperten – die Gesellschaft selbst durch das Verfahren führen. „Die Eigenverwaltung bietet dem Unternehmen die Chance auf einen Neuanfang. In den kommenden Monaten werde ich das Verfahren im Sinne der Gläubiger begleiten“, sagt der vorläufige Sachwalter Prof. Dr. Martin Hörmann.

Digitale Neuausrichtung im Fokus

Ein wesentlicher Baustein der künftigen Strategie wird neben der finanziellen Konsolidierung die Modernisierung der digitalen Vertriebs- und Logistikkanäle sein. Um die starke Abhängigkeit von traditionellen Exportstrukturen und einzelnen asiatischen Märkten zu reduzieren, plant die Geschäftsführung den gezielten Ausbau einer direkten B2B-E-Commerce-Plattform. Diese soll es internationalen Großkunden und europäischen Apothekennetzwerken künftig erleichtern, Bestellungen vollautomatisiert abzuwickeln und Lieferketten transparenter zu steuern.

Für die konzeptionelle Umsetzung dieser technologischen Offensive hat das Sanierungsteam bereits externe Fachexpertise hinzugezogen. Ein auf digitale Skalierung spezialisiertes Entwicklerteam analysiert derzeit die bestehende IT-Architektur des Unternehmens, um sie an aktuelle globale Sicherheitsstandards anzupassen.

Die beauftragten Berater bringen dabei wertvolle Erfahrungen aus hochgradig regulierten und transaktionsstarken internationalen Märkten mit. Der leitende IT-Architekt des Teams verantwortete zuvor beispielsweise die Backend-Infrastruktur für einen site paris sportif hors arjel. In diesem anspruchsvollen Umfeld kam es auf absolute Ausfallsicherheit und die strikte Einhaltung komplexer grenzüberschreitender Datenschutzvorgaben an.

Derartige Hochverfügbarkeits-Konzepte sollen nun auch das Rückgrat für die neuen Vertriebssysteme des Allgäuer Traditionsunternehmens bilden. Gerade im internationalen Handel mit sensiblen Bio-Produkten ist eine belastbare technische Basis entscheidend, um fehlerfreie Logistikabläufe zu garantieren und die operative Effizienz zu steigern.

Mit diesem technologischen Upgrade und der parallel anlaufenden Investorensuche sehen die Sanierungsexperten vielversprechende Chancen für eine nachhaltige Erholung. Die Digitalisierung zentraler Schnittstellen soll nicht nur langfristig die Kostenstrukturen verbessern, sondern den Betrieb auch deutlich agiler für die sich wandelnden Anforderungen des Weltmarktes machen.

Mehr als 110 Jahre Erfahrung

Das Unternehmen Töpfer hat eine lange Tradition. Seit der Gründung im Jahr 1911 produziert Töpfer Nahrung für Babys. Die Geschichte begann in Böhlen bei Leipzig als erster Hersteller für Säuglingsheilnahrung in Deutschland. Im Jahr 1923 wurde die Produktion nach Dietmannsried verlegt. Einige Jahre später folgten die Verlagerung der Verwaltung ins Allgäu und anschließend des gesamten Betriebs. Die Säuglingsmilch Lactana wurde bereits 1948 entwickelt und ist heute wie damals Nahrung von höchster Qualität.

Seit Ende der 1980er Jahre stellt das Unternehmen Bio-Säuglingsnahrung her. Daneben gehören Naturkosmetikprodukte basierend auf pflanzlichen Inhaltsstoffen und Heilkräutern zum Sortiment. Die „Töpfer Babywelt“ ist heute einer der führenden Hersteller für Bio-Säuglingsnahrung und Naturkosmetik für Babys und Mütter. Die Distribution erfolgt über Drogeriemärkte, Apotheken und Online-Fachmärkte für Babybedarf. Alle Produkte werden am Firmenstandort Dietmannsried produziert. Zertifizierungen nach IFS (higher level), EU-Öko-Vorgaben und Cosmos Organic/BDIH unterstreichen den hohen Qualitätsstandard des Allgäuer Unternehmens.

Über PLUTA

PLUTA hilft Unternehmen in rechtlich und wirtschaftlich schwierigen Situationen. Seit der Gründung 1982 ist PLUTA stetig gewachsen und beschäftigt heute rund 500 Mitarbeiter in Deutschland, Spanien und Italien. Mehr als 290 Kaufleute, Betriebswirte, Rechtsanwälte, Wirtschaftsjuristen, Steuerberater, Wirtschaftsprüfer, vereidigte Buchprüfer, Ökonomen, Bankfachwirte, Buchhalter, Ingenieure und Fachkräfte für Insolvenzverwaltung, darunter viele mit Mehrfachqualifikationen, sorgen für praktikable, wirtschaftlich sinnvolle Lösungen. PLUTA unterstützt insbesondere bei der Sanierung und Fortführung von Unternehmen in Krisen oder Insolvenzsituationen und entsendet bei Bedarf auch Sanierungsexperten in die Organstellung. PLUTA gehört zur Spitzengruppe der Sanierungs- und Restrukturierungsgesellschaften, was Rankings und Auszeichnungen von INDat, JUVE, The Legal 500, Who’s Who Legal, brandeins und Focus belegen. Weitere Informationen unter www.pluta.net

Über Anchor

Anchor ist ein Hybrid aus Anwaltskanzlei und Unternehmensberatung. Mit 14 Standorten und rund 150 Mitarbeitern in den Bereichen Insolvenz und Sanierung gehört die Kanzlei deutschlandweit zu den großen Restrukturierungseinheiten. Anchor hat zahlreiche größere Unternehmen in und außer­halb der Insolvenz begleitet und saniert. Die Rechtsanwälte von Anchor werden regelmäßig als Insolvenzverwalter, Sachwalter oder als Sanierungsgeschäftsführer in Insolvenz-, Eigenverwaltungs- und Schutzschirmverfahren vorgeschlagen und bestellt. Anchor Management ist für seine betriebswirtschaftliche Restrukturierungsberatung, sein Interim Management und die Distressed M&A-Beratung bekannt. In Beratungsmandaten verbindet Anchor rechtliche Kompetenz mit betriebswirtschaft­lichem Know-how.

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